Immer wieder ist zu hören oder zu lesen von Karin Klostermann, Marina Henzler und Matthias Schlotter den Jugendreferenten, die im Oktober 2007 auf dem Heuberg ihre Arbeit aufgenommen haben. Dabei stellt sich dem einen oder anderen des Öfteren mal die Frage, was machen Jugendreferenten denn eigentlich?
Zunächst einmal:
Die Drei sind im Auftrag der Gemeinden und mit finanzieller Unterstützung des Landkreises beim Jugendhilfeträger Mutpol - Diakonische Jugendhilfe Tuttlingen e.V. angestellt. Gemeinsam bilden sie das Team des Jugendreferates Heuberg, wobei jede Gemeinde ihren eigenen Ansprechpartner hat. Für Deilingen und Gosheim ist Karin Klostermann, für Bubsheim, Königsheim und Kolbingen Marina Henzler und für Bubsheim sowie für Wehingen ist Matthias Schlotter zuständig. Warum keiner der drei rund um die Uhr Vorort sein kann, liegt nicht nur daran, dass jeder mehrere Gemeinden zu betreuen hat sondern auch daran, dass dem Team insgesamt ein Stellenumfang von 250%, verteilt auf die sechs Gemeinden, zugedacht wurde.
Bleibt zu klären, was Jugendreferenten eigentlich machen? Es ging darum, in den Gemeinden die neue Institution "Jugendreferat" und die eigene Person bekannt zu machen. Gleichzeitig war für die Jugendreferenten der umgekehrte Weg wichtig. Das bedeutet die Gemeinden kennen zu lernen, wichtige Ansprechpartner aufzusuchen und einen eigenen Platz innerhalb der Gemeinde zu finden. Die notwendige Infrastruktur für die eigene Arbeit musste aufgebaut werden. Dazu gehörte z.B. das Einrichten eigener Büros als Arbeitsplatz, Zugang und verlässliche Anlaufstelle für junge Menschen.
Nicht selten sahen sich die Jugendreferenten ebenfalls mit der Frage konfrontiert: Braucht der Heuberg überhaupt Jugendarbeit? Um Antworten auf diese Frage zu geben und um die jungen Menschen dort abholen zu können wo sie stehen wurde erörtert welche Arbeit mit und für junge Menschen es bereits vor Ort gibt sowie welche Bedürfnisse, Ressourcen und Probleme die jungen Menschen haben. Hierzu wurden vorhandene Statistiken gewälzt, eine große Umfrageaktion in allen Gemeinden durchgeführt, Treffen mit Jugendleitern der Vereinsjugendarbeit und kirchlichen Jugendarbeit initiiert sowie die jungen Menschen regelmäßig in bestehenden Jugendräumen und an öffentlichen Treffpunkten aufgesucht. Denn wer könnte besser auf die Frage, ob es Jugendarbeit überhaupt braucht, eine Antwort geben als die jungen Menschen selbst.
Die Ergebnisse waren nicht allzu verblüffend, vergleicht man sie mit anderen Gemeinden im Landkreis, die bereits Jugendreferenten beschäftigen. Es zeigte sich, dass es in allen Gemeinden Jugendarbeit der Vereine, der Kirchen als auch in Selbstverwaltung junger Menschen gibt. Warum dann noch ein Jugendreferat? Zunächst einmal ist festzustellen, dass die bestehenden Angebote nicht alle jungen Menschen erreichen. Hier wie andernorts organisieren sich die jungen Menschen in Cliquen, die sich zum Teil sehr deutlich voneinander abgrenzen und sich vielfach an öffentlichen Plätzen treffen, mit all den bekannten (nachvollziehbaren) Schwierigkeiten für die Welt der Erwachsenen. Deutliche Grenzziehungen sind vor allem zwischen einheimischen (jungen) Menschen und jenen mit Migrationshintergrund zu beobachten. Junge Menschen auf dem Heuberg wünschen sich vor allen Dingen eigene Räumlichkeiten und mehr Freizeitmöglichkeiten, haben Unterstützungsbedarf in Bezug auf ihr Erwachsenwerden, der sinnvollen Gestaltung ihrer Freizeit sowie der aktiven Mitbestimmung und -gestaltung ihrer unmittelbaren Lebenswelt.
Ausgestattet mit diesen Erkenntnissen und allerlei Handwerkszeug in Form von Methoden und Angeboten machten sich die Jugendreferenten daran, für und mit jungen Menschen zu arbeiten. Im Rahmen der Streetwork wurden erste Kontakte geknüpft und Beziehungen zu jungen Menschen aufgebaut, fand Beratung zu allen Bereichen des täglichen Lebens statt, wurden Termine vereinbart und für Angebote geworben. Einzelne junge Menschen erhielten Unterstützung in Bezug auf die Suche nach einem Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz oder bei Problemen mit ihrem sozialen Umfeld. Mit einzelnen Cliquen wurden in vielen Gemeinden eigene Räumlichkeiten saniert und deren Betrieb organisiert oder entsprechend den Wünschen der jungen Menschen Aktionen durchgeführt wie z.B. Klettern. Die Gemeinden wurden im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit regelmäßig über die Arbeit der Jugendreferenten informiert. In fast allen Gemeinden wurden feste Sprechzeiten der Jugendreferenten für alle jungen Menschen der Gemeinden aber auch für Eltern und andere Bürger eingerichtet. Neben dauerhaften wurden auch punktuelle Angebote geschaffen z.B. Spielemittage, Kickerturniere und noch Vieles mehr. Das Highlight unter den bisherigen Angeboten war das Workshopwochenende in den Sommerferien diesen Jahres.
Auch für das kommende Jahr haben sich die Jugendreferenten einiges vorgenommen. So werden einige neue Projekte gestartet wie z.B. ein Projekt für Newcomerbands oder der Bau eines Niedrigseilparcours in Wehingen. Möglichst viele Gemeinden sollen sich auch an der 72-Stunden-Aktion des BDKJ beteiligen. Außerdem werden in den Gemeinden zum einen die Auswertung der Umfrageaktion und zum anderen das Diskussionspapier der Jugendreferenten im Landkreis zum Thema Integration vorgestellt. Damit wartet wieder ein spannendes Jahr sowohl auf die jungen Menschen der Gemeinden als auch auf das Team des Jugendreferates Heuberg. Heuberg aktiv e. V. möchte die Arbeit der Jugendreferenten unterstützen und dabei im virtuellen Einkaufs- und Informationszentrum www.heuberg-aktiv.de eine Infoplattform einrichten. Die Vorbereitungen sind bereits im Gange.